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Wissenschaftliche Bibliotheken in Informationsmärkten

Gestaltungsspielräume und Handlungsempfehlungen

Arbeitspakete

Das Projekt gliedert sich in sechs Teilbereiche, die jeweils verschiedene Aspekte der Zielsetzung untersuchen:

Teilprojekt A - Marktmodelle und Marktstrategien

Im Rahmen des Teilprojekts A wurde eine Marktanalyse hinsichtlich der Stellung und strategischen Positionierungsmöglichkeiten wissenschaftlicher Bibliotheken im Fachinformationsmarkt durchgeführt. Hierbei wurde der Markt nach relevanten Aktivitäten und Kernprozessen gegliedert, die Positionierung der einzelnen Marktteilnehmer herausgearbeitet und die sich aus der Digitalisierung ergebende Trends des Gesamtmarkts unter Berücksichtigung des Waren-, Geld- und Informationsflusses analysiert.

Zusammenfassend konnte die derzeit gute Ausgangsposition wissenschaftlicher hybrider Bibliotheken für weitere strategische Entwicklungen gezeigt werden. Jedoch ist anzumerken, dass eine Konzentration auf Kernkompetenzen notwendig ist, um zukünftig nicht an Boden gegenüber anderen, teilweise kommerziellen, Wettbewerbern zu verlieren. Zudem müssen zur Ermöglichung dieses Ziels entsprechende rechtliche, finanzielle und staatliche Rahmenbedingungen geschaffen werden.

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Teilprojekt B - Infrastrukturen

Ziel des Teilprojekts B war die Entwicklung einer elektronischen Handelsplattform für Bibliotheken und andere Anbieter wissenschaftlicher Literatur. Diese Plattform orientiert sich am Modell eines offenen und dynamischen Marktes und ermöglicht insbesondere den Einsatz und die Erforschung von neuen Diensten. Die Schwerpunkte bei der Entwicklung dieser einzubindenen Dienste lagen bei der Anbieteranbindung, der Anbietervermittlung, der Ergebnisintegration und der Kundenunterstützung.

Das Ergebnis der Arbeit präsentiert sich in Form des programmiersprachen- und plattformübergreifenden Multiagentensystems UniCats (Universal Integration of Catalogues based on an Agent supported Trading and Wrapping System). Aufgabe der Anbietervermittlung, die in Anbietervermittlungsagenten realisiert wurde, ist das Auffinden geeigneter Anbieter für die Anfrage eines Kunden. Die Auswahl kann sich dabei an thematischen oder monetären Kriterien orientieren, aber auch an der Lokalität des Kunden, wenn dieser etwa Bibliotheken in seiner Nähe suchen möchte. Die Ergebnisintegration, die in Integrationsagenten realisiert wurde, erlaubt es, Anfragen parallel an mehrere Anbieter zu senden und die erhaltenen Ergebnisse zu einer einheitlichen Ergebnisliste zusammenzufassen. Schließlich agieren Kundenagenten als Vertreter der Kunden im System und unterstützen diese bei der Planung der Anfragen.

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Teilprojekt C - Recommendersysteme

Im Rahmen des Teilprojekts C wurden Recommendersysteme als Beispiel für innovative neue Dienste für wissenschaftliche Bibliotheken untersucht. Die Akzeptanz solcher Systeme lässt sich an deren erfolgreichen Einsatz durch kommerzielle Anbieter wie dem Internetbuchhandel Amazon erkennen. Eine durchgeführte Analyse hat ergeben, dass gerade auch bei einem Einsatz von Empfehlungsdiensten für wissenschaftliche Bibliotheken mit ihren riesigen und qualitativ hochwertigen Beständen große Vorteile zu erwarten sind.

Im vorliegendem Projekt wurde ein stochastisches Benutzerverhaltensmodell auf Basis von Ehrenbergs Repeat-Buying-Theorie entwickelt, mit dessen Hilfe Empfehlungen aus dem Verhalten der Bibliotheksnutzer generiert werden können. Mit Abschluss der Softwareentwicklung wurde dieser Dienst in den OPAC (Online Public Access Catalogue) der Universitätsbibliothek KarlsruheExterner Linkintegriert und steht dort auch über das Projektende hinaus allen Nutzern zur Verfügung. Es deckt den Katalog des Südwestdeutschen Bibliotheksverbundes mit 15 Millionen Dokumenten aus 23 Bibliotheken ab und stellt damit den weltweit größten Recommenderdienst dieser Art dar. Mit Hilfe dieses Dienstes kann sich der Benutzer zu einem gewählten Dokument Empfehlungen anzeigen lassen. Bei den Empfehlungen handelt es sich um andere Dokumente innerhalb des Verbundes (also auch aus anderen Bibliotheken), zu denen mittels statistischer Tests eine häufiger als normale gemeinsame Nutzung nachgewiesen werden kann. Da die zugrundeliegende Datenbasis laufend ergänzt wird, erhöht sich die Zahl der vorliegenden Empfehlungen kontinuierlich. Der Katalog und die angeschlossenen Bestände wird von etwa einer Million Benutzern pro Monat genutzt.

Es wurden verschiedene Evaluationen in Form von Nutzungsstatistiken und Nutzerbefragungen durchgeführt, die eine sehr positive Resonanz der Benutzer dem Dienst gegenüber erkennen lassen. Weiterhin zeigte sich in Gesprächen mit Fachreferenten die Eignung des Systems und der dabei generierten Statistiken zur Unterstützung im Bestandsmanagement.

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Teilprojekt D - Zahlungssysteme

Einen weiteren zentraler Bereich der wissenschaftlichen Literaturversorgung bilden Zahlungssysteme, da finanzielle Transaktionen in den Geschäftsprozessen berücksichtigt werden müssen. Entsprechend wurde die in Teilprojekt B entwickelte Plattform UniCats um die Fähigkeit zur Durchführung und Protokollierung von finanziellen Transaktionen erweitert. Erweitert wurde das System um Rechnungsagenten, die von anderen Agenten über alle finanziellen Transaktionen in Kenntnis gesetzt werden und somit als unabhängige Instanzen für den Beweis der Durchführung von Absprachen dienen. Die Rechnungsagenten führen Konten für registrierte Agenten, so dass Zahlungsflüsse innerhalb des UniCats Systems auch ohne einen Austausch von Geldmitteln realisiert werden können. Trotzdem sind auch finanzielle Transaktionen zwischen Kunden und Anbietern möglich, da die Zahlungsagenten zusätzlich an externer Finanzintermediäre angebunden sind und somit traditionelle und elektronische Zahlungen ermöglichen. Auf diese Weise kann ein Medienbruch vermieden werden, da alle Zahlungen zwischen Kunden und Anbietern über das UniCats System abgewickelt werden können.

Für die Durchführung finanzieller Transaktionen musste das UniCats System um Sicherheitsmechanismen erweitert werden. So wurde die im SSL (Secure Socket Layer) angewandte Technologie auf Ebene des Multiagentensystems nachimplementiert, wodurch ein verschlüsselter Nachrichtenaustausch zwischen Agenten ermöglicht wird. Die Sicherheit des UniCats Systems entspricht daher dem im elektronischen Zahlungsverkehr weit verbreitetem Protokoll. Zur überprüfung der Identität und der Rechte der einzelnen Agenten wurden elektronische Ausweise eingeführt, die von speziellen Agenten verwaltet werden.

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Teilprojekt E - Simulation

Teilprojekt E zielte darauf, die in den anderen Teilprojekten gewonnenen Erkenntnisse über Marktstrategien und Infrastrukturen in geeigneten Simulationsexperimenten zu testen. Hierzu wurde ein offener Markt, wie er auch im UniCats System realisiert wurde, nachgebildet. Dabei wurde getestet, ob das Modell des elektronischen Marktes den Anforderungen genügt. Die Simulationsexperimente konnten bestätigen, dass das Modell des elektronischen Marktes auch für eine große Zahl von Anbietern und Nachfragern und mehr als 1000 Agenten geeignet ist und auch Störungen des Gleichgewichts (etwa bei Ausfall einzelner Agenten) ausgeglichen werden können.

Neben dem allgemeinen Marktmodell befassten sich weitere Simulationsexperimente mit der Versorgung der Studierenden mit wissenschaftlichern Literatur. Als Grundlage hierfür dient ein abstraktes mathematisches Modell, welches die Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Marktteilnehmern wiedergibt und explizite Ein- und Ausgabeparameter besitzt. Daraus entstand eine Simulationsumgebung, mit welcher es möglich ist, beliebige Ausgangssituationen des Literaturmarktes in ein zu simulierendes Modell zu überführen.

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Teilprojekt F - Geschäftsmodelle und Preisgestaltung

Im Rahmen des Teilprojekts F wurde die Akzeptanz von kostenpflichtigen Diensten und deren Preiselastizitäten untersucht. Dazu wurde im Rahmen des Projekts der neue Dokumentlieferdienst für Studenten LEA (Lokales Elektronisches Aufsatzliefersystem) an der Universitätsbibliothek KarlsruheExterner Linkeingeführt. Dieser Dienst liefert Studenten elektronische Zeitschriftenartikel, die zuvor über eine Webschnittstelle bestellt wurden. Die zur Analyse der Preiselastizitäten notwendigen Daten wurden durch nachfrage- und angebotskapazitätengesteuerte Preisänderungen und Sonderrabatte gesammelt.

Die wichtigsten gemachten Beobachtungen lassen sich wie folgt zusammenfassen. Die von Studenten akzeptierten Preise liegen derzeit weit unterhalb des kostendeckenden Bereichs. Hierfür ist vor allem das derzeitige Urheberrecht verantwortlich, wonach keine digitalen Informationen für eine weitere Anfrage gespeichert werden dürfen. Mehrfache Anfragen desselben Artikels führen somit zum erneuten kostenintensiven Einscannen desselben Papierdokuments. Weiterhin steigen die Nutzerzahlen trotz Bewerbung nur langsam und die Nachfrage bleibt beschränkt, da da der Dienst vor allem von Studenten während der Diplomarbeitsphase genutzt wird und die Diffusionszeit des Dienstes unter die Studierenden über der Projektlaufzeit liegt. Trotzdem konnten ausgeprägte Preiselastizitäten nachgewiesen werden. Ein allgemein niedriger Preis beispielsweise hat kaum Einfluss auf die Nachfrage, die Nachfrage bricht bei einem deutlich höherem Preis jedoch komplett ein, da die Studierenden auch weiterhin die Möglichkeit haben, die entsprechenden Dokumente selber von Hand vor Ort zu kopieren.

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